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Horst

Horst, Bild 1Hallo Ihr da draußen, ich bin der Horst (alberner Name, ne? Meine Federlose findet das total witzig *seufz*)

Ich habe gehört, dass hier Geschichten gesammelt werden über Vögel, die alleine waren. Deshalb erzähl ich mal meine Geschichte:

Ich habe sehr lange kein gutes Leben gehabt.
Ich habe drei Jahre alleine in einem Käfig gelebt, nur mit Plastikstangen und meinen Spiegeln und Glöckchen (die ich sehr geliebt habe, sie waren die Einzigen, mit denen ich mich unterhalten konnte). Raus durfte ich nie. Abwechslung gab es keine ? außer wenn meine Federlose täglich mein Futter gewechselt hat. Ansonsten war jeder Tag wie der andere. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie einsam das war! Ich bin fast wahnsinnig geworden. Diese Eintönigkeit... Schrecklich. Ich habe aus lauter Verzweiflung eine Fremdsprache (kohlmeisisch) gelernt. Aber das war total unbefriedigend, weil ich nur deren Geräusche nachmachen, aber nie mit ihnen reden konnte, da die Meisen draußen, und ich im Haus lebte.

Meistens habe ich mit meinem Spiegel und den Glöckchen geredet. Ich habe mit der Zeit einen Bewegungsablauf entwickelt, um mit allen fast gleichzeitig zu reden: Zur Glocke, anstupsen, hopp hopp hopp zum Spiegel, antickern, die Stange entlang zur anderen Glocke, anstupsen, und wieder zurück zur ersten Glocke. Im Nachhinein total krank, aber so habe ich meine Tage ausgefüllt. Unvorstellbar, oder?

Irgendwann kam er dann, der Tag, der mein Leben verändern sollte. Es erschien eine fremde Federlose, die mich ansprach, und lange ansah. Dann nahm sie meinen Käfig, stellte mich ins Auto und wir fuhren weg. Man trug mich in eine fremde Wohnung, mit fremden Geräuschen.

Irgendwie habe ich das alles wie im Nebel wahrgenommen, ich war zu beschäftigt, meine Glöckchen und den Spiegel zu unterhalten. Nach einer Weile griff die Federlose in meinen Käfig, und nahm sie mir weg. ALLE! Ich war untröstlich. Doch nach einer Zeit bemerkte ich, dass nebenan andere waren. Andere wie ich. Sie sprachen eine Sprache, die ich fast verlernt hatte. Es klang wunderbar vertraut. Ich konnte nicht aufhören, sie anzuschauen.

Horst, Bild 2In den nächsten Tagen bekam ich immer wieder Besuch von den Dreien. Sehr nett, wirklich. Besonders nett war Detlef. Er erzählte mir sehr viel, und ich erlernte langsam wieder meine Sprache. Er wich mir eigentlich gar nicht mehr von der Seite (vielmehr wich er nicht von meinem Dach, er saß immer oben auf meinem Käfig). Irgendwann bemerkte ich dann die veränderte Aussicht:
Ein Teil der weißen Gitter fehlte. Unbeschränkte Sicht nach draußen? Wie beängstigend! Die nächsten drei Tage brauchte ich, um mich an diesen neuen Anblick zu gewöhnen. Detlef meinte, eine geöffnete Käfigtür sei nicht gefährlich, und spornte mich immer wieder an, doch mal rauszuschauen. Schließlich überwand ich meine Angst.

Kurz danach war ich bereit, das "Fliegen" auszuprobieren, wovon Detlef ständig sprach, und nicht müde wurde, es mir vorzumachen. Ich saß in der Käfigtür, öffnete meine Flügel und sprang. Was für ein Gefühl! Sie trugen mich! Ich flog! Aber es war unglaublich anstrengend, dieses Fliegen. Und wie um alles in der Welt ging landen?! Ich hatte immer weniger Kraft, und stürzte schließlich ab. Detlef war sofort da. Er spornte mich an, machte mir Mut, lobte mich und zeigte mir den Weg. Wenn ich ihn nicht gehabt hätte...

An diesem Tag zog ich bei den Anderen ein. Ich kann nicht beschreiben, was das für ein tolles Gefühl war, morgens aufzuwachen und die Anderen zu sehen. Jeden Morgen feiere ich das Ende meiner Einsamkeit - bis heute.

Horst, Bild 3Mit der Zeit verblassten meine bösen Erinnerungen, und ich wurde ein "normaler Vogel", wie die Federlose sagt. Ich bin ein sehr guter Flieger, und kann auch wieder perfekt wellensittisch sprechen. Wenn die Federlose mit einer Leckerei kommt, kommentiere ich das immer lautstark und freudig. Die Federlose sagt, kein Wellensittich auf der Welt würde sich so schön freuen wie ich. Und baden, baden ist auch toll. Oder einfach rumsitzen und dösen, und dabei dem Schnabelknirschen der Anderen lauschen.

Detlef ist mein allerbester Freund. Ich habe ihn so lieb, ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Wir haben so viel Spaß zusammen, und haben so viel erlebt. Das Leben ist toll, wenn man nicht alleine ist!

Horst, Bild 4
Anja12

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