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Tweety

Tweety, Bild 1 Von Tweety las ich in einer Vermittlungsanzeige. Gesucht wurde ein Zuhause mit Artgenossen für einen älteren und flugunfähigen Kanarienvogel. Ich zögerte: einerseits hatte ich schon flugunfähige Kanarien hier – aber würden sich zwei Hähne und eine Henne verstehen?

Nach nahezu 9 Jahren allein ohne Vogelgesellschaft hatte Tweety allerdings eine Chance verdient. Sollte er sich mit meinen Vögeln nicht verstehen, könnte man immer noch ein Zuhause für ihn suchen, in dem er nicht mehr allein leben müsste.

Ich nahm mit der Vorbesitzerin Kontakt auf. Sie hatte den zunächst völlig normal befiederten Vogel schon bei ihren Eltern besessen, nun aber war sie Studentin, der Vogel viel allein, Kanarienvögel hatte er seit Jahren nicht mehr gesehen. Durch einen Gen-Defekt spreizt sich sein Gefieder nun in alle Richtungen und macht ihm das Fliegen unmöglich, hörte ich. Gut, also ein passender Kandidat für meine zwei schon vorhandenen behinderten Vögel. Einen völlig gesunden, normal fliegenden Vogel hätte ich in meine flugunfähige Gruppe nicht einfügen mögen.

Tweetys Umzug war beschlossene Sache, nun musste er nur noch hierher zu mir, ein Vögelchen aus Hamburg sollte ins Ruhrgebiet ziehen. Nachdem lange keine Transportmöglichkeit in Sicht war, entschloss ich mich, es über eine Mitfahrerzentrale zu versuchen. Ich bin mir sicher, dass die junge Frau, die ich am Telefon fragte, ob sie auch einen etwas ungewöhnlichen Passagier mitnähme, zunächst an einen dummen Scherz glaubte… Sie zögerte zunächst, aber sie glaubte mir dann doch und ich konnte schon kurze Zeit später meinen neuen Mitbewohner am Hauptbahnhof in Essen in Empfang nehmen. Tweety schien die weite Reise nicht im Geringsten belastet zu haben. Er schaute ungläubig auf die beiden neuen Kanarienfreunde und fand das alles sehr spannend. Der Tierarzt korrigierte anhand des entfernten Ringes (Tweety hat Kalkkrusten an den Beinen, ein bei Kanarienvögeln weit verbreitetes Problem) Tweetys Alter auf zwölf Jahre….

Nachdem ich ein paar zusätzliche Stangen im Käfig angebracht habe, kommt Tweety mit der neuen Umgebung prima zurecht. Da Martha so stark behindert ist, dass sie ein reiner ‚Bodenbewohner’ ist und Fluffy noch etwas flattern kann, waren die Stangen anfangs zu weit voneinander entfernt, als dass Tweety sich hätte frei im Käfig bewegen können.

Zu Martha ist er liebevoll, er füttert sie mit Hingabe und mit Fluffy, dem zweiten Hahn, hat er auch überhaupt keine Probleme. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, ihm auf seine alten Tage noch ein schönes Heim mit Freunden bieten zu können.

Tweety, Bild 2
Bea

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