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Miguel

Miguel, Bild 1 Gerade erst mußten wir den kleinen Anton ins Regenbogenland fliegen laßen, noch bevor er überhaupt die Chance bekam, unseren Schwarm kennen zu lernen. Von einem Tag auf den anderen erkrankte er schwer und auch unsere vkTä konnte ihm nicht mehr helfen.

Ich war unendlich niedergeschlagen, da machte mich mein Schatz auf eine Kleinanzeige im Internet aufmerksam. Ein gelb-grüner Welli-Hahn sollte mit nur vier Monaten abgegeben werden. Er war schon recht zutraulich und kam immer auf den Finger. Da bei uns schon Alles auf eine Nr. 9 eingestellt war und ich befürchtete, ein so hübscher und zutraulicher Vogel würde irgendwo wieder allein als "Spielzeug" enden, machten wir uns alsbald auf den Weg (damals noch) Pascha anzuschaün.

Der Kleine lebte in einem Rundkäfig (!), der direkt neben der Balkontür im Wohnzimmer auf dem Fußboden stand. Er durfte zwar auch frei fliegen, hatte aber keinerlei welli-gerechte Anflugstelle – das Einzige, was ihn intereßierte, war der große Garderobenspiegel im Flur. Seine Vorbesitzer fanden es unheimlich süß, wenn er diesen stundenlang voll quatschte und wurden nicht müde, davon zu erzählen.
Wir sollten auch unbedingt ausprobieren, wie toll er immer auf den Finger kommt. Man merkte Pascha an, daß er darauf eigentlich gar keine Lust hatte …

Kurzerhand packten wir den Kleinen ein und nahmen ihn mit nach Hause.
Es war schon recht spät und die anderen Wellis schliefen schon als wir ihn hier in seinen Quarantänekäfig umgesiedelt hatten.
Am nächsten Morgen, als die Acht aufwachten und anfingen zu erzählen, regte sich bei dem neuen nichts. Kein Piep. Wir kannten es eher so, daß durch die ganze Wohnung hindurch schon einmal per Stimme Kontakt aufgenommen wurde. Aber nun kam nichts. Miguel (es mußte ein neuer Name her, schließlich sollte für den Kleinen auch ein neues Leben anfangen) saß einfach nur da. Auf das Radio, das ich ihm anstellte, reagierte er dagegen und sang etwas mit. Als das zarte Stimmchen ins Wohnzimmer drang und man ihm von dort aus antwortete, war er allerdings gleich wieder still.

"Das kann ja heiter werden", dachte ich mir.

Endlich: Die Quarantänezeit war rum und Miguel hatte einen Infekt, vermutlich durch Zug an der häufiger offen stehenden Balkontür bedingt, gut überstanden – er durfte nun die Anderen kennen lernen.
Daß er bis dahin keinerlei Anstalten gemacht hatte, Kontakt mit ihnen aufzunehmen (und das, obwohl er so lang ja gar nicht allein war), bereitete mir immer noch Bauchschmerzen.
Nichts desto trotz stellten wir ihn mitsamt Käfig ins Wohnzimmer.
Wir öffneten das Türchen und warteten ab, was geschieht.

Jetzt kam etwas, womit keiner von uns gerechnet hatte: Denn so schnell konnten wir gar nicht schaün, wie der Kleine den Ausgang und dann auch gleich den Spielplatz mit den Anderen gefunden hatte! Miguel startete mit einem Mal durch, als wäre er schon immer bei uns gewesen. Ohne Scheu oder Zurückhaltung setzte er sich mitten in seinen neuen Schwarm und meine Sorgen, wie lang er wohl brauchen würde, um sich einzuleben, waren wie weggeblasen.

Miguel, der mittlerweile seit etwa einem halben Jahr bei uns lebt, ist ein lebensfroher und sehr sozialer Bursche geworden. Er ist relativ fest mit Erik verpaart, nutzt aber auch andere Gelegenheiten, die sich ihm bieten.

Seitdem er in den Schwarm integriert ist, ist er nie wieder (außer für KoHi) auf den Finger gekommen. Aber das ist unwichtig – er ist ebenso wie wir auch ohne dieses "Kunststück" glücklich. Und einen Spiegel als "Partnerersatz" wird Miguel auch nie wieder brauchen.

Miguel, Bild 2

Miguel, Bild 3
bealu

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