Tiergerechte Haltung für Vögel - Argumente, Erlebnisberichte, Fotos -
nur gemeinsam ist nicht einsam
Mich rief eine Frau an,der ich mal eine Henne für ihren
Witwer-Hahn gesucht habe. Sie habe einen Bekannten, der hätte einen Wellensittich,
der seit Jahren einsam in der Küche stehe und niemals Freiflug hätte. Nun hat
sie es geschafft, ihn dazu zu bringen ihn in Gesellschaft abzugeben, denn „so sei
das doch nix für das Herzchen“. Meine Frage nach dem Geschlecht beantwortete
sie mit Männchen, denn der sei ganz grün *g*.
Am selben Tag holte ich den namenlosen Sittich namens "Vogel" ab, nicht dass der Halter sich das wieder überlegen wird....
Es war natürlich eine Henne *g*. Schnell getauft auf Julchen hatte sie sofort den absoluten Mitleidsbonus bei mir und durfte für immer einziehen. Sie lebte dort wirklich jahrelang in einem kleinen Käfig ohne Freiflug – „einmal kam se raus, aber da isse hinter den Herd gefallen und das war nix für sie“ – mit 2 kleinen Stangen, die auch noch diagonal in den Käfigecken angebracht waren, wo sie wirklich schlecht drauf sitzen konnte. Es war viel zu eng. Sie hatte auch nichts im Käfig zu spielen, außer ein, von einem restlos aufgefutterten Knabberherzen, übrig gebliebenes Glöckchen an einem Draht. :-( Ein wirklich trauriger Anblick.
Ein wirklich trauriger Anblick. Nach dem Tierarztcheck machte ich es wie immer bei Neuzugängen: Ihr Käfig wurde geöffnet und neben die Voli meiner Bande gestellt. So konnte sie entscheiden, wann sie soweit ist, die anderen kennenzulernen. Jule ließ sich Zeit...circa 2 Sekunden – wie sie den Ausgang so schnell gefunden hat, der ja jahrelang zu war und wo andere sich mehr als dämlich anstellen, ist mir heute noch ein Rätsel. Kaum war die Tür offen flog sie auch schon in die Voli, setzte sich neben die anderen und kreischte fröhlich "Hallo" :-)
Meine dagegen sind vor Schreck fast von der Stange gefallen. Normalerweise dauert das alles etwas länger: Neuzugang prägt sich erstmal die Umgebung ein, guckt schüchtern rüber, man kreist ein paar Runden über dem Käfig des anderen, traut sich aber nicht....und da kommt DIE und fliegt einfach rein! Und geht auch einfach ans Futter und schubst einen von der Schaukel *pöh*!
Es dauerte auch nicht lange und Audi (ein wunderschöner Wellihahn, bis dato schwul dachte ich) war Hals über Kopf verliebt in sie. Was sie erwiderte :-) Von da an
wurde Tag und Nacht gepuschelt, die Gute hatte wohl etwas Nachholbedarf. ;-) Sie ist es
auch, wegen der ich das Faltrollo vor dem Fenster abbauen musste, denn Madame fand die
Stelle klasse um sich bruthöhlenmäßig einzurichten und sie ist es auch,
die an dem Durchbruch zum Nebenzimmer an der Wand arbeitet. Sie hat sich also gut eingelebt würde ich mal behaupten. ;-)
Sie ist sofort ein Teil des Schwarms geworden und mir geht jedesmal das Herz auf wenn ich daran denke, wie gut sie es jetzt im Gegensatz zu vorher hat. :-)
