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Gegen Einzelhaltung / Erfahrungsberichte / Chico

Chico

Chico, Portrait Chico habe ich in einer Internetanzeige entdeckt: Es wurde für ihn ein neues Zuhause gesucht, weil die bisherigen Besitzer zu der Erkenntnis gekommen waren, dass die Einzelhaltung für ihn nicht gut sei. Als sie hörten, warum wir uns ausgerechnet für Chico interessieren, fanden sie die Idee sehr schön, dass er nicht gleich in einen Käfig mit einem anderen Vogel gesteckt würde - Mikey war zu der Zeit Freifliegerin und schlief üblicherweise auf dem Regal - sondern sich langsam anfreunden könnte.

Zu diesem Zeitpunkt suchten wir für unsere Mikey einen Partner, der idealerweise flugunfähig war. Da wir uns über die besonderen Anforderungen, die ein Handicap-Vogel an die Haltung hat, im Klaren waren, war es für uns weder ein Problem, das Wohnzimmer den besonderen Anforderungen eines Fußgängers entsprechend zu gestalten, noch die Versorgung für unseren neuen Schützling zu gewährleisten.

Worauf wir allerdings nicht gefasst waren, war die Tatsache, dass Chico ein sehr schüchterner Vogel sein würde, der nur sehr schwer Vertrauen zu uns aufbauen konnte. Außerdem hatte er - entweder bedingt durch frühere schlechte Erfahrungen eine eiserne Devise "My home is my castle." Er kommt nur sehr selten aus seinem Käfig und wenn, dann passiert auch meist irgendetwas: Er wird zu übermütig und versucht zu fliegen - was mit 1½ Flügeln nicht wirklich gut geht - oder am Fenster fliegt ein Krähe, Taube oder Elster vorbei und er erschreckt sich und fällt deshalb vom Regal.

Chico ist flugunfähig, weil er das Ende seines rechten Flügels eingebüßt hat - sowohl wir als auch die Vorbesitzer können nur Vermutungen darüber anstellen, wie es dazu gekommen ist, auch sie hatten ihn schon so übernommen. Wir vermuten, dass dies auf einem fehlgeschlagenen Stutzversuch beruht, da Chico sehr wohl fliegen möchte, es also wohl mal kennengelernt hat, und er Menschen gegenüber misstrauisch bis ängstlich ist.

Chico ist und bleibt ein Einzelgänger, auch seine neue Freundin Penny kann ihn nicht allzu sehr für sich gewinnen, allerdings ist die Sympathie von seiner Seite groß genug, dass er sie füttert. :-)

Allerdings darf sie ihm dabei nur mit der Schnabelspitze nahekommen und muss warten, bis er zu ihr kommt - will sie zu ihm gehen, dann ergreift er voller Panik die Flucht.

Das ist zwar gelegentlich ein Bild für die Götter, wenn er mit den Flügeln flatternd die Käfigwand hochsaust, aber hauptsächlich ist es traurig, dass er insgesamt so wenig Vertrauen in Vogel und Menschen hat - und von uns hat er nichts zu befürchten, das Schlimmste, was ihm passiert ist, ist der Tierarztbesuch anlässlich der Eingangsuntersuchung.

Aber es ist für uns nicht wichtig, ob Chico uns vertraut, unsere Nähe sucht oder für sich lebt - die Hauptsache ist, dass unser Kleiner ein schönes Leben hat und erste Anzeichen geben Anlass zu der Hoffnung, dass aus ihm und Penny doch noch etwas wird, da er sie schon ihn größerer Nähe duldet und nicht mehr ganz so panisch wegspringt.

Mit seinen schlechten Erfahrungen, die Chico bei seinen ersten Besitzern gemacht haben muss, sowie der Einzelhaltung über fast 4 Jahre bei den Vorbesitzern ist Chico ein sehr gutes Beispiel dafür, was das bei einem Vogel, der normalerweise Gesellschaft wünscht und sucht, anrichten kann. Er hat seit nunmehr 1½ Jahren Vogelgesellschaft und ist immer noch sehr zurückhaltend, er ist ängstlich und erschrickt quasi vor dem Schatten an der Wand - und trotzdem versucht er, über seinen Schatten zu springen und intensiveren Kontakt zu Penny aufzunehmen.

Man sieht ihm den Widerstreit der Gefühle oft an und unsere große Hoffnung ist es, dass er soweit "normal" wird, dass er eine schöne Partnerschaft mit Penny eingehen kann - auch wenn er leider nie mit ihr zusammen fliegen wird. Aber wenn er seine Angst vor "draußen" soweit überwinden könnte, dass er Penny auf die Fensterbank und die Spielplätze folgen kann, wären wir auch schon sehr froh.

Pinguin

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