Tiergerechte Haltung für Vögel - Argumente, Erlebnisberichte, Fotos -
nur gemeinsam ist nicht einsam
Mikey hatte ca. 18 Jahre Einzelhaltung bzw. Haltung mit artfremden
Vögeln hinter sich, als wir sie im Alter von 21 Jahren
kennenlernten und gleich das Angebot bekamen, sie zu adoptieren. Die
Alternative war eine Außenvoliere - Anfang April im Siegerland
keine wirkliche Alternative, so dass wir nach intensiven Überlegungen
und auf der Spur nach den wirklich spärlichen Informationen zu
Pennantsittichen im Internet den Entschluss fassten, Mikey zu uns zu nehmen.
Da wir eine Außenvoliere mit sehr guter und liebevoller Betreuung in
der Hinterhand hatten und Mikey vorher mit einem Sperlingspapagei und einem
Wellensittich ihre Voliere geteilt hatte, war das Risiko gering, das wir
eingingen, indem wir sie zu uns holten.
Mikey hat sich auch sehr freundlich gegenüber den anderen Bewohnern des Vogelzimmers verhalten - nur litt sie sehr darunter, dass alle anderen Vögel artgleiche Kameraden hatten, nur sie nicht. Man konnte fast dabei zusehen, wie es ihr täglich mehr zu schaffen machte, dass sie allein war, so dass wir unseren Vorsatz, ihr einen Partner zu suchen, schneller als geplant in Angriff nahmen. Wir hatten sehr viel Glück, dass uns fast sofort ein lieber Pennanthahn angeboten wurde und nachdem der Übernahmetermin vereinbart war, hofften wir einfach nur noch darauf, dass Mikey durchhalten würde.
Glücklicherweise hat Mikey dies geschafft und genau 4 Wochen nach ihr zog dann Spikey bei uns ein. Von ihm war nicht viel bekannt, er war ein Fundvogel und wurde abgegeben, weil der sehbehinderte Vogel, dem er Gesellschaft leisten sollte, auch ein Hahn war, so dass an ein friedliches Zusammenleben nicht zu denken war. Mit Mikey hat er sich sofort verstanden und trotz der Tatsache, dass Mikey das erste Mal seit mindestens 18 Jahren wieder einen Artgenossen um sich hatte, blieben die großen Kontaktschwierigkeiten aus: Es hatte sich ein richtiges Pärchen gefunden, beide waren sich auf Anhieb sympathisch und wir konnten nahezu in Rekordzeit das sehen, was unter Pennantsittichen ein inniges Verhältnis ist: sehr nahes Beieinandersitzen in der Nacht.
Leider währte dieses Glück nicht lange: Spikey vergiftete sich an der Lackierung eines Käfigs und ruinierte sich damit den Drüsenmagen und unser damaliger Tierarzt behandelte zwar einmal die Symptome recht erfolgreich, da er aber nicht nach der Ursache suchte, starb Spikey kurz vor dem Termin beim Vogelkundler.
Nun war Mikey wieder allein und nach dem knappen Jahr mit Spikey ging ihr das sehr an die Substanz. Also suchten wir wieder einen Hahn und waren froh, dass schon eine Woche später ein Fundvogel, der schon über drei Monate in einer Auffangstation lebte und alle notwendigen Untersuchungen hinter sich haben sollte, bei uns einziehen konnte. Neo war ein aufgewecktes Kerlchen, völlig anders als Spikey, aber Mikey mochte ihn trotzdem auf Anhieb und schnell unternahmen beide sehr viel gemeinsam. Mikey war wieder glücklich und wir freuten uns daran, dass wieder zwei Pennantsittiche unser Wohnzimmer unsicher machten.
Dieses Glück für Mikey währte allerdings noch kürzer als das mit Spikey, denn Neo starb unverhofft nach einem winzigen Krankheitsanzeichen und einen Tag nach der Untersuchung beim Vogelkundler. Nachgewiesen wurde eine massive Konzentration von Streptokokken, mit denen auch Mikey angesteckt wurde. Wir haben so schmerzlich erfahren müssen, dass ein Eingangscheck unumgänglich ist und dass man sich nicht unbedingt auf eine Zusicherung über erfolgte Untersuchungen verlassen kann, auch wenn man unter Vogelfreunden ist. Neo hat unseren Leichtsinn mit dem Leben bezahlen müssen - ein viel zu hohes Lehrgeld.
Wir haben uns dann wieder auf die Suche nach einem Partner für Mikey gemacht, denn wieder baute sie massiv ab. Wir wurden wider Erwarten auch jetzt schnell fündig und hatten Charly zu uns geholt. Der erforderliche Eingangscheck und die Untersuchung von Mikey mit anschließender Behandlung ihrer Streptokokken-Infektion verliefen am selben Tag.
Wir stellten aber sehr schnell fest, dass Mikey - offensichtlich aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen - sich nicht mehr eng an Charly anschloss, sondern zwar gemeinsam mit ihm lebte und auch Unfug trieb, aber immer auf eine gewisse Distanz bedacht war. Spikeys und Neos Tod hatte sie offensichtlich misstrauisch werden lassen. Mit Charly lebte Mikey 1½ Jahre friedlich und unverbindlich zusammen, dann bemerkten wir, dass Mikeys Sehkraft nachließ. Etwas später hatte Mikey einen Unfall, bei dem sie sich beide Beine brach und wir kamen zu der Erkenntnis, dass Charly für sie zu wild war und holten sie dauerhaft in unser Wohnzimmer. Auch hier sollte sie nicht allein bleiben, also suchten wir explizit einen flugunfähigen Vogel, der sie nicht durch unverhofftes Auftauchen erschrecken würde. Chico zog wenige Wochen nach ihrer völligen Genesung in unser Wohnzimmer ein und wieder bot sich uns das schon bekannte Bild: Mikey nahm zur Kenntnis, dass sie einen neuen Freund hatte, kümmerte sich aber nicht besonders um ihn, sondern ging ihren eigenen Interessen nach. Da auch Chico, der aus vierjähriger Einzelhaltung zu uns kam, kein gesteigertes Interesse an Mikey zeigte, unterhielten sich beide gelegentlich über die Distanz und lebten nebeneinander in unserem Wohnzimmer.
Mikey hat sich trotz der jahrelangen Haltung mit anderen Vögeln und ohne artgleiche Gesellschaft sehr gut in die jeweiligen Zweierbeziehungen eingefügt, sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Vergesellschaftung auch nach vielen Jahren Einzel- bzw. nicht artgerechter Haltung immer lohnt. Dass sie sich weder Charly noch Chico so eng wie Spikey und Neo angeschlossen hat, war eindeutig Mikeys eigene Entscheidung, sie wollte es so.
Aber sie war eindeutig froh, nie wieder allein bzw. allein unter fremden Vögeln zu sein.