Tiergerechte Haltung für Vögel - Argumente, Erlebnisberichte, Fotos -
nur gemeinsam ist nicht einsam
Ich bin der Tschipi und möchte Euch die Geschichte über mein Leben
erzählen. Jetzt bin ich 8 Jahre alt, und es hat so einiges an Auf und
Ab gegeben.
Nicht, dass es nun besonders dramatisch war, ich wette, vielen von meinen Welli-Kameraden ergeht es viel viel schlimmer. Trotzdem war nicht alles lustig, weil ich viele Jahre ganz allein war.
Am 23. Jan. 1999 bin ich aus dem Ei geschlüpft, und schon als kleiner Welli-Junge wurde ich eines Tages abgeholt und kam in eine ganz fremde Wohnung, wo 2 große und 2 kleine Federlose wohnten. Trotzdem hatte ich Angst, wenn eine Hand kam und mich einfach so nehmen wollte oder die vielen fremden Gesichter über meinem Käfig auf mich einredeten, "ist der aber süß" und "was für ein niedlicher Wellensittich" und "na komm doch her" und all so'n Zeug.
Am Anfang hat man sich sehr bemüht und war lieb zu mir, ich durfte auch
aus dem Käfig heraus und fliegen, und dauernd hieß es "lieber
Tschipi" und "feiner Vogel".
Aber das ließ alles nach.
Ich hatte Sehnsucht nach Gefährten, mit denen ich schmusen kann und die meine Sprache verstehen. Ich hab sogar ein bißchen von der komischen Sprache der Menschen nachgeahmt, damit sie mich ja nicht vergessen.
In jedem Jahr, wenn meine Futtergeber in Urlaub gefahren sind,kam ich zu Selene.
Das war immer eine schöne Zeit, weil ich nicht allein war,
da waren Henry und Poldi, mit denen konnte ich herumtoben und quasseln.
Aber immer mußte ich wieder zurück in meine Einsamkeit.
Selene hat so oft auf meine Federlose eingeredet, dass ich einen Gefährten brauche.
Aber was half mir das?
Mir blieb immer nur die Erinnerung an den Urlaub und die Freude auf den nächsten. So vergingen Jahre und in meinem Zuhause hat sich viel verändert. Um mich wurde sich immer weniger gekümmert. Dann sind wir alle in eine neue Wohnung gezogen, und dort durfte ich fast nie mehr aus dem Käfig. Ich wurde ein trauriger Welli.
Und so kam der Sommer 2005.
Als ich in meinem Urlaubsquartier ankam, war Selene einfach nur entsetzt, und irgendwie schimmerte es ganz naß in ihren Augen.
Ich weiß es noch ganz genau, wie sie gesagt hat: "Armer Tschipi, aber dich gebe ich nicht mehr her, ich lasse mir was einfallen."
Na ja, ich konnte nicht mehr richtig fliegen, nach einem kurzen Stück war ich immer total fertig und bin abgestürzt. Die anderen haben mich gerufen, aber ich konnte einfach nicht.
Meine Federn waren stumpf und meine Schwanzfedern steckten in ihren Hülsen, von meinem Käfig und wie der aussah, will ich lieber vornehm schweigen.
Selene hat viel am Computer gesessen und sich Informationen geholt, vor allen Dingen bei Gaby, wie sie immer sagte. Sie hat es mir aber trotzdem nicht erspart, zu unserem "Leibarzt" zu fahren, der mich regelrecht auseinander genommen hat. Er verkündete dann aber, ich sei kerngesund und hätte nur Mangelerscheinungen. Wir waren alle mächtig froh darüber.
Ich habe um mich herum gefuttert, wie wild . Es gab so vieles! Körnchen,
Möhren, Keimfutter, Salat, frische Kräuter, frische Wiesengräser
und auch Hirsekolben. Das meiste davon kannte ich vorher gar nicht, aber weil
Poldi und Sirius das fröhlich gefuttert haben, hab ich mich auch getraut.
Dabei habe ich mich schnell erholt.
Selene hat erreicht, dass ich hier bleiben durfte!
Ich bin nicht mehr allein, bin gesund und ein richtiger Lauser, wie
Selene immer sagt.
Meine Freunde aus der Anfangszeit sind leider nicht mehr da, sie haben die Reise ins Regenbogenland angetreten.
Dafür sind aber neue Freunde eingezogen!
Mein Leben ist jetzt bunt und schön, es gibt immer etwas zu quasseln, wir spielen und toben herum und vor allem
ich bin nie mehr allein.
Ihr Federlosen, denkt daran, wir sind Schwarmvögel, und es ist
unendlich traurig, wenn wir keinen Gefährten haben, und darum
keine Einzelhaltung!