Tiergerechte Haltung für Vögel - Argumente, Erlebnisberichte, Fotos -
nur gemeinsam ist nicht einsam
Was?,
das findet Ihr normal, weil ich ich ein Vogel bin? Ihr mögt ja
Recht haben, aber für mich ist es nicht ganz so, weil ich
lange Zeit gar nicht fliegen konnte. Aber laßt es Euch
einfach erzählen.
Am 07.02.2000 bin ich aus dem Ei geschlüpft und kam schon bald darauf in ein neues Zuhause. Dort war ich der einzige Wellensittich. Meine Gesellschaft bestand aus zwei Zebrafinken, die mich ganz wuschig gemacht haben. Was soll ein Welli mit Zebrafinken? ich konnte sie nicht verstehen und sie konnten mich auch nicht verstehen, na und kuscheln kann man mit diesen kleinen quirligen Finken auch nicht. Ich hatte jedenfalls große Sehnsucht nach meinen Kameraden.
Meine Federlosen waren aber lieb zu mir und haben sich auch
mit mir beschäftigt.
Trotzdem war es einfach langweilig für mich, denn welcher
Mensch hat schon so viel Zeit, immer für einen von uns da zu
sein?
Jaaa , ich hatte einen auch einen Spielplatz, aber das hat allein auch
keinen Spaß gemacht.
Zu der Zeit konnte ich aber noch richtig fliegen.
Mit der Zeit kamen die Veränderungen, meine Federlosen hatten plötzlich ein ganz kleines schreiendes Federlosen-Bündel, und alles drehte sich nun um das Baby. Und ich? Wie mir zumute war, das hat wohl niemanden mehr wirklich interessiert. Ich war sehr allein und wurde auch manchmal etwas übellaunig und aggressiv.
Manchmal sind meine Federlosen verreist, ich wurde in ein Urlaubsquartier
gebracht, und hurraaaa!, das war eine Freude! Da waren Wellis!, und die haben
mir so viel erzählt. Es war so schön!
An alles kann ich mich nicht erinnern ... bis
zum Urlaub 2005 mit Poldi und der Sirius!
Hier hocken alle auf meinem Käfig.
Ich habe mich aber auch in den großen Käfig von den beiden getraut.
Und in dem Urlaub konnte ich schon nicht mehr fliegen.
Meine Federlosen haben es gar nicht bemerkt, aber Selene hat mich ganz genau angeguckt, hat mich in die Hand genommen und gedreht und gewendet und abgetastet und dabei immer den Kopf geschüttelt und was Unverständliches gemurmelt. Ich hab mich aber nicht gewehrt, weil ich ganz genau gemerkt habe, dass sie mir nichts Böses tun will. Außerdem hat sie mich dabei auch noch so schön gekrault. "Du mußt unbedingt abnehmen" , hat sie zu mir gesagt, "Du bist einfach zu schwer" Na ja, wenn einem so etwas gesagt wird, da freut man sich auch nicht gerade, und ich war auch eingeschnappt.
In meinem Zuhause wurde es immer weniger schön. Da war nun noch ein Federlosen-Baby, und niemand hat bemerkt, dass ich immer dicker und immer trauriger wurde. Die beide Zebra-Finken waren auch schon nicht mehr da. Selene kam mal zu Besuch zu uns, da hab ich mich ganz eng in ihre Hand eingekuschelt. Ob sie wohl verstanden hat, was ich ihr sagen wollte?
Im
Urlaub 2006 durfte ich wieder zu Selene und ihren Wellis. Inzwischen
war ich fast flugunfähig, aber die anderen haben mich trotzdem
nicht allein sitzen lassen, und in den Spielbaum wurde ich auch
regelmäßig getragen.
Callisto hatte es mir gleich angetan, und ach herrje!, hat der mich zugetextet!! Das war so schön!, ich bin richtig aufgelebt und habe mich auch viel mehr bewegt, habe immer wieder auch versucht zu fliegen. Das Ergebnis war allerdings jedesmal ein Absturz.
Selene hat viel
telefoniert,und dann kam sie eines Tages und meldete:" Woody, Du kannst
hier bei uns bleiben". Soll ich jetzt behaupten, dass ich traurig war?
Nein, das war ich nicht. Callisto war inzwischen ein richtiger Freund geworden,
und es wäre sehr traurig gewesen, wenn ich ihn wieder verloren hätte.
Ich hatte ja noch nie einen richtigen Freund, und schmusen und kraulen kannte ich
gar nicht. Damit wir nun nicht zu dritt bleiben, kam noch ein neuer Welli dazu,
der Canopus.
Zuerst habe ich
noch eine Weile in meinem alten Käfig gewohnt, aber dann war er verschwunden.
Meine Lieblingsglocke kam mit in mein neues Zuhause. Auf die kann ich nicht
verzichten, und da darf nicht mal Callisto ran.
So ruhe ich mich immer aus. Dann wissen die anderen, dass ich keine Sprechzeit habe.
Selene hat mir eine Leiter an die Voliere gestellt, und ich habe gelernt, wie ich ganz ohne Hilfe auch auf den Spielbaum komme.
Sie hat viel mit mir
"trainiert", mich immer wieder ermuntert, Flugversuche zu machen,
und mit der Zeit ging es auch immer ein klein wenig besser. So ganz richtig,
wie die anderen werde ich nie mehr fliegen können. Unser Doc kann da
auch nichts machen, aber wir sind alle zufrieden, dass ich wenigstens wieder
kurze Strecken schaffe und auch ein klein wenig aufsteigen kann.
Durch das viele Herumtoben, und ich denke auch durch unsere sehr abwechslungsreiche
Ernährung mit viel Obst und Gemüse, habe ich tüchtig abgenommen.
Wir sind ein Minischwarm.
Es ist toll hier, wir vertragen uns alle gut, aber mein bester
Freund ist und bleibt Callisto.
Könnt Ihr jetzt verstehen ,warum meine Geschichte beginnt mit "Hurraaa , ich fliege"?
Ich bin glücklich hier, weil ich nie wieder allein sein muß.
Und darum
keine Einzelhaltung!