Tiergerechte Haltung für Vögel - Argumente, Erlebnisberichte, Fotos -
nur gemeinsam ist nicht einsam
Unsere erste Begegnung war im April 2005 in einer Tierhandlung, als ich Futter für meinen Hund kaufen wollte. Damals ging ich an den Käfigen vorbei, um mir die Vögelchen anzuschauen. Dabei viel mir ein kleiner Welli auf, der immer wieder versuchte, sich am Gitter hochzuhangeln, um auf einer Stange zu sitzen. Kaum dass er es geschafft hatte, kam ein Artgenosse vorbei, um ihn zu füttern. Diese Bewegung war schon zuviel für das arme Tierchen, und es fiel von der Stange. Nach mehreren Versuchen blieb er einfach schwer atmend unten sitzen. Sein Schwänzchen war quasi garnicht mehr vorhanden und die restlichen Federn waren ausgefranst wie ein alter Teppich und standen in alle Richtungen hinaus. Seine Füßchen waren wund und offen vom vielen Hin- und Herrennen auf dem Boden der Voliere.
Zuhause erzählte ich meinem Lebengefährten von dem Vögelchen, und dass ich es gerne da herausholen möchte. Er war sofort einverstanden und ich ging voller Vorfreude dorthin um ihn zu kaufen. Riesengroß war meine Enttäuschung als man mir sagte, dass das nicht ginge. Auf meine Frage nach dem Warum sagte man, sie würden keine kranken Tiere verkaufen und dieses Tier sei devinitiv krank und würde zum Züchter zurück gehen. Ich ließ nicht locker und ging erst wieder, nachdem mir der Geschäftsführer fest versprochen hatte, den Züchter anzurufen mit der Bitte, mir das kranke Tier zu überlassen. Nach 3 Tagen und vielen Tränen, ob er es denn überleben würde (es war Wochenende und Ostern) kam der erlösende Anruf. Der Züchter schenkt mir das Vögelchen und ich könnte ihn abholen.
Bewaffnet mit einem ausgeliehenen Kanarienvogelkäfig (mehr ging nicht auf die Schnelle) war ich eine halbe Stunde später im Laden. Aber der Vogel war weg und der Anrufer in der Mittagspause. Ich dachte schon an das Schlimmste, als sie ihn endlich in einem Abstellraum im Käfig fanden. Der Verkäufer wollte seiner Kollegin, die gegen Vögel allergisch war, wohl einen Gefallen tun und hatte ihn schon eingefangen und in einen kleinen Käfig gesetzt. Nachdem sich mein Herzschlag wieder normalisiert hatte, gingen wir zusammen heim: "Felix" und ich.
Zuhause mussten wir ihn nach 2 Stunden Geduld einfach aus dem Karton schieben. Nach gutem Zureden und einem riesigen Hirsekolben vor der Nase verputzte er das ganze Teil und schlief einen Tag und eine Nacht am Stück. So ging das 3 Tage lang. Ein Hirsekolben und wieder schlafen. Alles ohne dass er auch nur einen Ton von sich gegeben hatte. Am 3. Tag standen wir wieder vor seinem Käfig mit der Befürchtung, dass er nicht nur verkrüppelte Füßchen hat, sondern auch noch stumm ist. Als wir uns sorgenvoll abwendeten, hörten wir plötzlich ein ganz zartes "Piep". Da lief uns fast das Herz über. Unser Felix kann doch reden.
In der folgenden Woche gingen wir zum Tierarzt und ließen ihn erstmals untersuchen. Rachitische Beinchen und eventuell Französische Mauser sagte man uns. Auf keine Fall einen zweiten Vogel dazugeben, denn der würde ihn sicher unterbuttern. Ok, dachten wir, dann soll er es eben einfach gut bei uns haben. Für die Füßchen bekamen wir eine Salbe und das war's dann.
Zur Vorsicht waren wir nach 2 Wochen noch bei einem anderen Tierarzt, der uns den Tipp gab, die Stangen zu polstern und ein Brettchen zu besorgen zum besseren Sitzen. So ganz langsam wurde es besser. Die Füßchen heilten und das Vögelchen wurde zahm, saß gerne auf dem Finger und lies sich in der ganzen Wohnung mit herum tragen. Inzwischen hat er sogar das Fliegen gelernt. Nicht so toll wie ein gesunder Vogel, aber er kann es.
Soweit so gut.
Anfang 2007 entdeckte meine Tochter die birds-online Seite. Dort las
ich, dass es doch möglich wäre, ein behindertes
Vögelchen zu verpartnern. Ich nahm Kontakt zu Gaby auf und wollte
gerne versuchen, für Felix eine Partnerin zu finden.
Nach einigen
Anfragen in den Tierheimen in unserer Nähe konnte ich ein
mintgrünes wunderschönes Weibchen abholen, das dort abgegeben
wurde. Ich weiß noch, mit welcher Freude ich die Wellidame abgeholt
habe. Nach anfänglicher Schüchternheit von beiden Seiten ging
dann die Post ab. Und nach ca 2 Monaten wurde nur noch gestritten und
gezetert im gemeinsamen Käfig. Mir blieb nur noch übrig die
beiden zu trennen.
Das neue Weibchen war sehr agil und ihr war langweilig bei uns. Obwohl sie fast den ganzen Tag frei fliegen konnten, entwickelte sich ein Agressivität, mit der ich nie gerechnet hatte. Unsere Behinderte fiel des öfteren wie ein Stein von der Stange, weil sie der Zwangsfütterung einfach nicht viel entgegenzusetzen hatte.
Soweit so gut.
Durch das Vogeforum kam dann die Frage auf, ob
ich nicht vielleicht doch zwei Hennen hätte? Ich schickte Fotos weg
und bekam zur Antwort, dass Felix auf jeden Fall und ganz sicher eine
Feline sei.
Da saß ich nun da mit meinen zwei Hühnern und war mindestens
so unglücklich wie die Beiden. Hatte ich mich doch ausgiebig
informiert, was die beste Möglichkeit wäre (ein Männchen
und ein Weibchen wäre ideal) und nun war doch alles
Sch....eibenkleister.
Nach reiflicher Überlegung wollte ich es nun mit einem ruhigeren
älteren Männchen für Feli und einem Plätzchen in
einem Schwarm für die quirlige Sita versuchen. (Sie hat letzten
Samstag ein wunderbares Plätzchen ganz in unserer Nähe
gefunden.)
Nach einer Woche Warten bekam ich eine Mail, dass ein 11
jähriger Wellimann nochmals ein Zuhause mit mindestens einem
Artgenossen sucht. 11 Jahre erschien mir doch ein bischen viel, aber
als ich las, dass Niko noch nie krank war und bis vor zwei Jahren ein
Weibchen hatte, das gestorben ist, wollte ich es mit ihm versuchen.
Falls es nicht klappen sollte, würde ihn die Besitzerin auf jeden
Fall wieder nehmen, haben wir ausgemacht. Es fiel ihr auch sehr schwer,
den Niko abzugeben, aber sie hat zum Wohle des Tieres entschieden und
ich bin ihr wirklich zu Dank verpflichtet, dass sie ihn mir anvertraut
hat.
Er ist jetzt seit 1 1/2 Wochen bei uns und ein richtiger Schatz. Habe
jetzt die ersten Fotos von den beiden außerhalb ihrer Käfige
gemacht. Feli ist noch ein bischen futterneidisch, aber Niko ist sehr
höflich und läßt ihr den Vortritt. Ich biete auch immer
reichlich Futter an um Streitereien vorzubeugen.
Niko ist ruhig und besonnen, aber ein bischen flugfaul. Vielleicht
hatte er keine Lust alleine zu fliegen. Er fliegt recht
schwerfällig, aber ich glaube, das bessert sich bestimmt noch.
Nachdem ich den Käfig komplett umdekoriert habe, schlafen die
beiden jetzt zusammen darin. Im Moment jeder noch auf seiner eigenen
Schaukel. Aber es gibt kein Gezeter mehr.
Mal sehen, ob sich noch mehr ergibt. Ich wünsche den Beiden, dass
sie sich irgendwann auch mal kraulen. Sollte das der Fall sein werde
ich neue Fotos schicken im Moment sollten diese hier mal genügen.